Wenn Kommissar Zufall ermittelt:

 

Der neue Bühnencomic des deutsch‑israelischen Künstlerduos "half past selber schuld" verbindet wie bereits "die sündenvergebmaschine" Musik, Gesang, Performance, Trickfilm, Schatten‑ und Puppenspiel zu einem schrillen Science‑Fiction‑Universum.

 

VON DENIZ KARIUS

 

Eine fast entmenschlichte. von Technik beherrschte Welt irgendwann in der Zukunft, "Kommissar Zufall", eine Art Comic‑Figur in Westernheld ‑ Manier, will durch ein Gedankenvirus den Tyrannen "Maschinenpapst Favorit", der alle Maschinen kontrolliert, stürzen. Das Virus ist nur durch Gedanken übertragbar und kann zur völligen Erinnerungslöschung führen", sagt Frank Römmele, der mit Ilanit Magarshak ‑ Riegg das deutsch‑israelische Künstlerduo "half past selber schuld" bildet. "Die Tagebücher von Kommissar Zufall" ist die zweite Koproduktion der 36 und 32 Jahre alten Künstler mit dem Forum Freies Theater (FFT). Ebenfalls zum zweiten Mal bringt damit das Duo die Uraufführung eines zuvor als Hörcornic im Radio ausgestrahlten Stücks ins FFT.

 

Schillernde Mischung

 

Wie schon in, "die sündenvergebmaschine" kombinieren die beiden in Düsseldorf lebenden Künstler Musik, Schatten‑ und Puppentheater, Gesang, Performance und Trickfilm zu einer schrillen Collage. "Eine Besonderheit vom Kommissar Zufall ist die Mischung von Fortschritt und Rückschritt", sagt die Leiterin des FFT, Kathrin Tiedemann. Zudem mischen sich Realitäts‑ und Zeitebenen Auf diese Weise entsteht ein ganzes Universum auf der FFT‑Bühne. Scheinbar aberwitzig: "Die drohende Technisierung wird mit viel Technik auf die Bühne gebracht", so Dramaturg Christoph Rech.

 

,Wir nutzen unterschiedliche Medien, um dein Zuschauer noch mehr Möglichkeiten für die eigene Interpretation zu geben", erklärt Ilanit Magarshak ‑ Riegg. Dabei sind "half past selber schuld" nicht nur die Autoren von Hör‑ und Bühnencomic, sie führen Regie und stehen, verstärkt von Darsteller Marke Erak‑Bonsink, auch selbst auf der Bühne. Von Magarshak‑Riegg stammt zudem die Musik- Komposition. "Darin finden sich Elemente aus osteuropäischer, aus Klezmer und Zigeunermusik, die ich mit Computer‑ und Popmusik verbinde", sagt sie. Wie für das Einspielen der Musik, konnte das Duo auch für die Trickfilme auf ein Netzwerk von Künstlern zurückgreifen. So fla­ckern Zeichentrick‑Szenen von endzeitlich anmutenden Schießereien in einem gezeichneten Kino über die Leinwand, bilden teils das Bühnenbild. Kaum verwunderlich dass sich "half past selber schuld`, stilgerecht statt für ein Programmheft für einen " Orientierungscomic" entschieden haben.

"Kommissar Zufall ist eine Art Apokalypse", sagt Autor und Comic‑Zeichner Römmele ' "Am Ende stürzt die ganze Welt ins Vergessen. Es bleibt die Frage, ob das eine Katastrophe oder ein Segen ist."