pressestimmen

Hier stehen ältere Presseartikel aus der Zeit August 2001 - Juli 1998

 
 

aus: bergische morgenpost,
27/08/2001

mysteriöse performance

HUSTEN MIT APFELKORN

(coki). "husten kann man mit der lunge / mit der zunge lauter machen / husten
kann man mit tomate / husten geht mit apfelkorn / husten geht mit allem gut":
um einiges mysteriöser als der nachfolgende kinohit "the sixth sense" gestaltete
sich das vorprogramm der "mystery night" beim open air-kino an der gelben villa.
das düsseldorfer duo "half past selber schuld" zeigte eine performance mit musik
und texten, in denen es mal um raucherhusten, mal um millenium-babies und oft
irgendwie um tiere ging.

auf der kleinen bühne unter der kinoleinwand präsentierten sänger und texter
"Sir ladybug beetle" und die gebürtige israelin ilanit magarshak-riegg neben
älteren stücken auch ausschnitte aus ihrem neuen hörspiel
"die sündenvergebmaschine - ein absurdical in sieben phasen".
auch wenn musik bei ihren auftritten oft im vordergrund steht, verstehen sich
"half past selber schuld" nicht als band - schwerpunkt sind die halb gesprochenen,
halb gesungenen texte: "es sind geschichten, die musik will sie unterstützen",
erklärt ilanit magarshak-riegg. die komponistin und musikerin begleitet die
kurzgeschichten mal auf dem klavier, mal mit bass oder gitarre. oft arbeitet
das duo auch mit anderen musikern oder darstellenden künstlern zusammen.
"wir nehmen, was wir kriegen können. wir recyclen", beschreibt "Sir ladybug
beetle" die unterschiedlichen einflüsse und stile, die das duo in seinen stücken
verarbeitet.

viele der absurden soundcollagen haben gesellschaftskritische oder politische
untertöne, die sich aber oft nur durch genaues zuhören offenbaren:
von seelen als fahrbahnmarkierungen ist da die rede und der jugend von heute,
die schneller leben und schnell erleben will. ebenso oft bleiben die texte
rätselhaft, die aussage im dunkeln.

das publikum zeigte sich verwirrt.

 

aus: bergische morgenpost,
23/08/2001

künstlerduo "half past selber schuld"

ABSURDE TEXTE

morgen abend wird das künstlerduo "half past selber schuld" im vorprogramm
der gelben villa auftreten. die aus israel kommende ilanit magarshak-riegg (29)
und der schwabe "Sir ladybug beetle" (33) wollen die zuschauer mit absurden
texten zum nachdenken anregen. bm-redaktionsmitglied sprach mit frank
römmele alias "Sir ladybug beetle".

was darf man sich unter ihren auftritten vorstellen?

wir sind keine band, sondern ein künstlerduo, das möglichst viele kunstrichtungen
miteinander verbindet. mal steht die musik im vordergrund, mal die performance.
in remscheid wird es eher eine performance sein. unsere texte sind recht absurd
und werden mit einer musik untermalt, die sich radikal an das wort anpasst.
man könnte es als vertonte gedichte bbeziehungsweise kurzhörspiele bezeichnen.
die musik ist keine unterhaltungsmusik.

was bezwecken sie mit ihrer kunst?

wir wollen provozieren, aber auch genügend spielraum zur interpretation lassen.
unsere geschichten kommen bei jedem anders an: manche finden ein gedicht lustig,
andere wieder richtig traurig. es kommt uns nicht auf ein eindeutiges ergebnis an.

seit wann gibt es ihr duo schon?

vor sechs jahren haben ilanit und ich mit noch zwei anderen musikern
"half past selber schuld" in heilbronn gegründet, als ska punk band, die sich nach
einer kurzen, intensiven zeit wieder aufgelöst hat. im mai 1998 haben ilanit und ich
beschlossen, ein künstlerduo unter demselben namen zu gründen. ich mag diesen
namen, weil er aus verschiedenen sprachen besteht. es gibt etwa zehn
möglichkeiten, ihn zu verstehen. und wenn man möchte, kann man darin
auch noch symmetrien erkennen.

haben sie mathe studiert?

nein, freie malerei. ich male auch noch, im moment comics. die kenntnisse aus
meinem studiumkann ich im visuellen bereich unserer arbeit einsetzen. aber ich
interessiere mich auch für mathematische systeme.

spielen sie denn ein instrument?

nein, ich bin für die texte und den gesang zuständig. ilanit spielt gitarre, bass
und klavier. ab und zu singt sie auch. normalerweise machen wir viel mit anderen musikern zusammen. in der gelben villa werden wir einige soundcollagen
aus unserem neuen hörspiel "die sündenvergebmaschine" einsetzen. denn morgen
sind wir nur zu zweit - unsere minimalbesetzung. da sind wir fast schon ein bisschen
aufgeregt.

sind die auftritte denn einstudiert?

im allgemeinen, ja. lediglich an einigen stellen improvisieren wir ab und zu.
von der zielgruppe her dürften sich eher jüngere angesprochen fühlen, obwohl
ältere mehr möglichkeiten haben, unsere texte zu verstehen.

woher kommt ihr künstlername?

ich mag insekten. in einem buch fand ich dann das bild von einem "seven-spotted
ladybug beetle". der name hat mir gefallen, und so wurde mein künstlername
"Sir ladybug beetle".

susanne genath

 

aus: bergische morgenpost,
23/08/2001

HOCHSPANNUNG UND ETWAS GRUSEL

...im vorprogramm tritt das düsseldorfer künstlerduo "half past selber schuld"
auf. "die beiden verbinden skurrile texte mit musik und erzeugen eher düstere
stimmungen. das passt zum film", erklärt nagel. viele aussagen seien politisch
oder gesellschaftskritisch. "mal regen sie zum nachdenken an, mal wird einem
ganz schön mulmig." und er erinnert sich an den provokanten videoclip
"ich wollt´ mein papa wär ein nazi", in dem "half past selber schuld"
eigenes material mit leni-riefenstahl-filmszenen mischten.

susanne genath

 

aus: biograph,
düsseldorf, 02/2001

BEATS AGAINST FASCISM - ANTIFA-SAMPLER

...und ausserdem gibt es noch eine wohltuende ausnahme durch den
(längsten, anscheinend einzigen speziell für dieses album produzierten)
unterhaltsamen beitrag von half past selber schuld, die mit "ich wollt´
mein papa wär ein nazi" im stil der frühen einstürzenden neubauten
nicht nur industrial - freaks überzeugen (vertrieb über fax 0211/358997)

g. schrei

 

aus: COOLIBRI,
düsseldorf, 10/2000

half past selber schuld

OHRBEQUEMLICHKEIT – NEIN, NEIN, NEIN!

Wenn der Schreiberling auf ein Künstlerduo trifft, das keine Band sein möchte und Projekte ausbaldowert, die „Gedankenkontrolle – ein Spiel mit Autorität und Publikum“ oder „Ich wollt mein Papa wär ein Nazi“ heißen, erwartet er keine leichte Kost. Und die kommt auch nicht auf den Tisch. „Meine erste Glatze habe ich mir mit 12 rasiert, als ich das erste mal meine Tage bekommen habe“ erklärt ilanit magarshak-riegg. Da kennen wir uns gerade 2 Minuten. Ihr musikalischer Partner Sir ladybug beetle trägt grünes Haupthaar und Fellmützen als Protest gegen die Großwetterlage. Gemeinsam sind sie seit dem Jahre 98 half past selber schuld und radikal. Das, was sie machen, nennen sie „vertonte gedichte“ oder auch „hörspiele“. In jedem Fall eine radikale Anpassung von Wort und Ton. Die Texte scheinen selten so trivial wie der folgende, wohlgemerkt scheinen: „ich bin dracula/du bist trullalla/ich bin chachacha/du bist täterä“. Befremdlich für die meisten. Klanglich beruft sich das Düsseldorfer Künstlerduo auf russische und jüdische Zigeunermusik, die Klangwerker von den Einstürzenden Neubauten oder - Alexandra. „Tanz, alter Tanzbär“ sei eines ihrer Lieblingslieder der Sechziger-Ikone lässt dann auch ilanit wissen und der Schreiberling staunt nicht schlecht. Ungleich mehr, als die verqueren Seelen kund tun, dass sie im grauen Herbst auch Hausbesuche unternehmen wollen. Aufgeschlossene, die ein Faible für Interaktion sowie ungewöhnlichen Kunstgenuss haben, können half past selber schuld gegen Bares ins traute Heim bestellen. Anstrengend wird das in jedem Fall, auch wenn Sir ladybug beetle behauptet: „Wir wollen nicht zwei Stunden Hirnfick abliefern“.

Alexandra Wehrmann, foto: matthias schütz

 

aus: badische zeitung, freiburg, 28. juli 1998

FETZIGE KLÄNGE UND FRECHE POLITPAROLEN
weit über 1000 besucher beim holzrock

(aki)...viel aufmerksamkeit erregte auch eine aktion am rande des festivalgeschehens. die band "half past selber schuld" hatte unweit der hauptbühne ihr terrain abgesteckt. da wurde nicht nur musik mit experimentellem charakter dargeboten, sondern auch eingeladen zu einem gang in den "republikopf". in diesem kopf wurde der besucher einer gedankenkontrolle unterzogen. "wir wollen verhärtete denkmodelle aufbrechen, die leute zum nachdenken bringen", fasste julian den sinn des ganzen zusammen.
(anmerkung: julian gattermann hat von juli bis september 1998 half past selber schuld als cellist und hier auch als performer unterstützt.)

 

aus: badische zeitung, freiburg, 27. juli 1998

HOLZROCK...

(aki)...erfreulich war, dass in diesem jahr mal wieder ein ausserplanmässiges programm geboten wurde von dem projekt: "half past selber schuld". das trio machte nicht nur schräge musik mit sehr persönlichen texten, sondern unterzog neugierige besucher einer gedankenkontrolle. (wir berichten noch über das festival)