DIE ZEIT Nr. 42   10. Oktober 2002
 


Flotte Würmchen

 
  Bühne statt Beichtstuhl, Sessel statt Kniebank - es war das elementare Bedürfnis
nach Komfort, das den Bußfertigen in die Kammerspiele Düsseldorf trieb. Dort sollte ein spiritueller Aspekt christlichen Glaubens auf orthopädisch freundliche Weise vonstatten gehen: die Vergebung der Sünden. Ilanit Magarshak-Riegg und Frank Römmele, Leiter und Vollstrecker der Musiktheatertruppe half past selber schuld, zeigten Die Sündenvergebmaschine, eine Schöpfungsgeschichte als schrillen Comic im Schnelldurchlauf, mit Würmern, die aus dem Apfel der Sünde ihre grimmigen Köpfchen halten und die einzelnen Phasen der menschlichen Weltheimsuchung ausrufen. Der Homo sapiens macht natürlich wieder alles falsch, doch singen Adam und Eva diesmal wenigstens flotte Reime und trashige Melodien. Das heitere Stück, ein Gesamtkunstwerk für Arme mit viel Lichtgefunzel, nennt sich "Absurdical" und sieht aus, als träte Mr. Bean singend im Dorfkarneval auf. Dafür ist der Truppe beim Jüngsten Gericht zwar keine Generalabsolution, wohl aber ein angemessener göttlicher Rabatt sicher.

WOLFRAM GOERTZ